Gula - Gefräßigkeit

Bleisitft, Farbstift, Aquarell, Tusche
Wvz. 4541
Format: 700 x 500 mm
September 2009

Die Gefräßigkeit steht im Sinne seiner Begrifflichkeit der Völlerei sehr nahe, wobei diese neben dem übermäßigen Essen auch die Trunksucht mit einschließt.

Es mag daher eine Überlegung wert sein, warum im Zusammenhang mit diesem Laster die Darstellung von einem dicken, rot pausbackigen Mönch, in unserer Vorstellungswelt, bis heute nichts Ungewöhnliches, ja eher etwas Normales an sich hat.

Das Klischee, dass es sich Mönche in der Abgeschiedenheit ihrer Klöster recht gut gehen ließen – zu gut manchmal vielleicht -, fand über die Jahrhunderte hinweg offensichtlich immer wieder neue Nahrung, wodurch sich die Selbstverständlichkeit vom Bild des feisten Mönches erklären lässt.

Auch Francesco de Goya widmete sich dem ausschweifenden Klosterleben immer wieder recht gern und kritisch. Vor allem in seinen Caprichos gibt es gleich eine ganze Reihe an Radierungen, die sich der Mönchswelt mit beißendem Spott entgegenstellt.

Angesichts der aktuellen Nachrichten aus diversen Klosterschulen und Internaten, mag uns die Gefräßigkeit aber eher noch als harmloses, gar verzeihbares Laster erscheinen. Doch in der christlichen Vorstellungswelt wird einem gefräßigen, dicken Menschen auch die Neigung zur Trägheit des Herzens und des Geistes unterstellt, womit er sich gleichsam von Gott entfernt.