Gula - Selbstsucht

Bleisitft, Farbstift, Aquarell
Wvz. 4611
Format: 1000 x 700 mm
Juni 2010

Die Selbstsucht, eine negative Charakterbeschreibung, wird heute als Begriff kaum noch verwendet.
Sie findet ihre inhaltliche Entsprechung auch in den uns vertrauter empfundenen Umschreibungen, wie „Egoismus“ oder „Eigennutz“.
Der Begriff „Selbstsucht“ erklärt sich desweiteren auch
durch seine gegenteilige, positive Entsprechung der „Selbstlosigkeit“.

Inhaltlicher Ausgangspunkt dieser Zeichnung ist eine, dem römischen Kaiser „Nero“ (37 – 68 n. Chr.) x nach empfundene Figur, welche gänzlich entrückt, auf der Lyra spielend, den eigenen Genius verklärt.
Die allgemeine Stigmatisierung Neros als verdorbenem, „selbstsüchtigem“ Menschen basiert nur zum Teil auf historisch nachweisbaren Tatsachen.
Sie beruht vielmehr auf Gerüchten, die schon zu seinen Lebzeiten aufkeimten und ihm sein „Künstlerdasein“ mehr als erschwerten.

Denn als nachgewiesen gilt, dass Nero sich zwar auch als Gottheit und unantastbaren Regenten Roms sah, vielmehr aber noch als ein von den Göttern auserkorenes, künstlerisches Genie.
Um „seine Berufung“ voll auszuleben, vernachlässigte er nicht nur die Staatsgeschäfte und machte immense Schulden, sondern avancierte auch zu einem permanenten Ärgernis des Senats und der römischen Oberschicht.

Im Roman „Quo Vadis“ von 1895 (Henryk Sienkiewicz), erfährt diese „Selbstsucht“ Neros eine weitere Dimension. Basierend auf den damaligen Gerüchten, Nero selbst sei für den großen Brand von Rom (64 n. Chr.) verantwortlich, wird er in diesem Roman gar als wissentlicher Brandstifter Roms geschildert – Nero opfert das alte Rom nur um seiner Kunst willen. Sein Kanzler Petronius bemängelte die fehlende durchlebte Realitätsnähe seiner Verse und führte als Vergleich Homers Epos „Troja“ an.

So lässt Nero Rom in Flammen aufgehen, nur um bei dem Blick auf die brennende Stadt, zu einer echten homerischen Inspiration zu gelangen.

Die Darstellung dieser Szenerie ist historisch nicht wirklich nachweisbar, aber auch nicht auszuschließen.

Dem Gerücht, Anstifter des Brandes von Rom zu sein, das tatsächlich schon kurz nach Ausbrechen der Brände in Rom die Runde machte, entgegnete Nero nicht nur mit der Öffnung seiner Kornkammern, sondern auch mit der Präsentation der „wahren Schuldigen“ – der Sekte der Chrestiani (griechisch: Christen).