Superbia - Stolz

Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 4623
Format: 700 x 500 mm
Juli 2010

Erst 1992 setzte die katholische Kirche, im Kompendium des Katechismus, den Stolz an die Stelle des Hochmuts. Wahrscheinlich aus dem einfachen Grund, dass der Stolz umgangssprachlich als der modernere Begriff anzusehen ist.

Auch wenn man mit Stolz und Hochmut ähnliches verbindet, so klingt die Charaktereigenschaft des Hochmuts doch wesentlich komplexer.

Es erscheint wie ein fast natürlicher Reflex des Menschen auf durch tugendhaftes Wirken, auf rechtens Erworbenes und Erschaffenes sowie auch auf die eigene Familie, die Kinder, Stolz sein zu dürfen. Einem Menschen somit, der also zu Recht stolz auf sich sein darf, würde man nicht unbedingt auch gleichsam hochmütiges Verhalten nachsagen wollen. Denn dieses beginnt erst dann, wenn der Einzelne, durch den Übermut des Stolz seins, sich in verächtlicher Art und Weise über andere stellt.

Der Stolz ist aber nicht nur eine Eigenschaft Einzelner. Auch ganze Völker (Nationen) empfinden im kollegialen Taumel oft Stolz auf ihr Land – auf ihre vermeintliche Helden – Helden des Sports, der Kultur, aber auf auch all jene die sich anschickten, für ihre Nation, im scheinbar unvermeindlich Unvermeidlichen ihr Leben zu lassen – um dann posthum zu Helden stilisiert, mit Orden bedacht, in nationalen Gedenkstätten verewigt zu werden.

Im Online Lexikon „Wikipedia“ findet sich zum Stolz folgendes: Stolz [von mnd.: stolt = prächtig, stattlich] ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten „Ganzen“.

Der Stolz entspringt der (subjektiven) Gewissheit, etwas Besonderes, Anerkennenswertes oder Zukunftsträchtiges geleistet zu haben oder daran mitzuwirken. Dabei kann der Maßstab, aus dem sich diese Gewissheit ableitet, sowohl innerhalb eines eigenen differenzierten Wertehorizonts herausgebildet, als auch gesellschaftlich tradiert sein. Im ersten Fall fühlt man sich selbst bestätigt und in seiner Weltanschauung bestärkt („Ich bin stolz auf mich“), im anderen Fall sonnt man sich in der gesellschaftlichen Anerkennung („Ich bin stolz, etwas für meine Stadt geleistet zu haben“).

Ebenso wie bei Ärger, Furcht, Traurigkeit, Überraschung und Freude, handelt es sich beim Stolz um eine elementare Emotion, die angeboren und nicht anerzogen ist. Diese individuelle Gemütsbewegung an sich, wird durch eindeutige, in allen menschlichen Kulturen, durch gleichartige Gesten und Gebärden (z.b. durch aufrechte Körperhaltung, zurückgelegter Kopf, Arme vom Körper gestreckt) ausgedrückt und wird daher auch universell wiedererkannt.