Ruhmsucht

Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 4523
Format: 700 x 500 mm
Juli 2009

Zu seinen Lebzeiten verbreitete ein kleiner Mann Angst und Schrecken über ganz Europa. Letztendlich konnte nur sein eigener Hochmut und Größenwahn seinen scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch ein Ende setzen.

Doch schon wenige Jahre nach dem Fall und Tod Napoleons manifestierte sich sein Ruf als genialer Feldherr und großem Stratege, vermeintlicher Gallionsfigur der Aufklärung, selbst unter seinen ehemaligen Feinden.

Sein Ruhm war selbst durch sein Ende nicht mehr aufzuhalten. Vergessen dabei – die Millionen von Opfern, die Napoleon auf seinen zahlreichen Feld- und Eroberungszügen hinterließ. Verstümmelt, zerfetzt und oft abgeschlachtet wie Vieh – Napoleons Garden kannten meist keine Gnade mit ihren Gegnern.

Ganz sicher einmalig ist allerdings der Umstand, dass es ein kleiner Bäckergehilfe bis an die Spitze des französischen Staates schaffen konnte um anschließend fast noch ganz Europa zu unterwerfen. Eine bisher noch nie dagewesene Karriere, da zuvor alle höchsten Ämter alleine dem Adel vorbehalten waren.

Seine Sucht nach Ruhm und Macht katapultierte ihn, den Bäckergehilfen, weiter nach oben, als alle ehemaligen Mächtigen Frankreichs zusammen.

Die Ruhmsucht macht sich natürlich nicht nur an der Person Napoleons fest. Auch schon vor ihm gab es zahlreiche Despoten und Imperatoren mit deren Namen sich Größenwahn und die Sucht nach Ruhm verbindet.

Doch während diese Untugend im politischen Handeln Einzelner als Antriebsfeder heute kaum noch eine sichtbare Rolle spielt, so bleibt sie dennoch im gesellschaftlichen Leben verhaftet. Denn ohne eine gewisse Sucht nach Ruhm wäre Kunst, so wie sie sich über die Jahrhunderte entwickeln konnte, nicht möglich.

Der Künstler braucht die Bühne, braucht die Reflexion des Publikums die ihn ablehnt oder adelt, braucht den Ruhm um überhaupt existieren zu können. Der spanische Surrealist Salvadore Dali gilt, neben Picasso, als der berühmteste Vertreter seiner Zunft. Doch während Picasso seinen Ruhm als natürliche Begleiterscheinung einfach nur genoss und auslebte, so liebte es Dali seinen Ruhm durch ständiges extrovertiertes zelebrieren, sich selber inszenieren, weiter zu manifestieren.

Aber Dali wäre nicht Dali, ohne die manische Liebe zu seinem Ruhm.