Superbia - Arroganz

Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 4824
Format: 700 x 500 mm
November 2012

Die Arroganz umschreibt ein Verhalten, in dem sich der Mensch – ähnlich wie bei der Überheblichkeit, als etwas Besseres ansieht als seine Mitmenschen und u.U. sogar als minderwertiger abstuft. Die Gründe für solch ein Verhalten können in einer besseren Erziehung, Ausbildung, einem größerem Vermögen, höherer gesellschaftlicher Stellung oder aber auch in der reinen Einbildung des besser gestellt seins liegen.

Erkennbar wird die Arroganz in dem der Mitmensch „von oben herab“ behandelt wird. Dies kann sich schon alleine durch eine bestimmte Art von Körpersprache, in Form von Gestik und Mimik andeuten. Wenn zum Beispiel jemand während eines Gespräches seinem Gegenüber nicht in die Augen sondern stattdessen gelangweilt auf die eigenen Fingernägel schaut, dabei mit dem Daumen die Nägel seiner Finger prüfend berührt, als ob er die Qualität seiner letzten Maniküre kontrollieren wolle, so empfinden viele dies als eine arrogante Geste. Desweiteren zeigt sich eine arrogante Einstellung natürlich u.U. auch in der Art und Weise der Gesprächsführung, in der Wortwahl zum Beispiel – in dem ich dem Gesprächspartner durch die bewusste Verwendung möglichst vieler Fremdwörter, verpackt in schier endlos langen Schachtelsätzen, meinem Gegenüber die eigene überlegene Sprachgewandtheit, Bildung und Intelligenz deutlich machen will.

Doch nun vom arroganten Verhalten hin zum arroganten Handeln. Denn auch dies sei erwähnt. Als 2008 plötzlich allen klar wurde, dass an den internationalen Finanzmärkten ordentlich was schief läuft und dann letztendlich auch in eine Finanzmisere von historischen Ausmaßen mündete, machte der Begriff des „arroganten Bankers“ zunehmend Schule. Von allen nun als deren Übeltäterfigur Nummer eins auserkoren – stand das mediale Gesicht, Josef Ackermann, stellvertretend für eine ganze Branche mit am Pranger, verlor sich aber auch, wie die meisten Größen seiner Zunft, süffisant (oder arrogant?) lächelnd, angesichts der Ängste der geprellten Anleger, in wenig vielsagenden Ausflüchten.

Wie es dem arroganten Verhalten nun mal zu Eigen ist, führt die geringer Schätzung anderer nun einmal auch zu einer Geringschätzung der von ihnen geschaffenen Werte – wozu auch das geistige Eigentum zu zählen ist. Die Diskussionen rund um die diversen Plagiatsvorwürfe in Sachen Doktorarbeiten sind somit auch durchaus berechtigt.

Die Motivation eines einst so medial omnipräsenten, politisch überambitionierten Senkrechtstartes die eigene Doktorarbeit so gut wie ausschließlich auf den Dissertationen anderer aufzubauen ist insofern maßlos arrogant, da er wohl annahm (vielleicht sogar unbewusst – die eigenen Charaktereigenschaften sind den wenigsten ja nun selber auch gänzlich klar), dass im Glanze seiner eigenen gesellschaftlichen Bedeutung, Stellung und auf Grund seines so klangvollen Namens die eigentlichen Urheberschaften der diversen Textpassagen seiner Doktorarbeit, aus scheinbar längst Vergessenem, von längst Vergessenen stammend, somit auch allgemein vergessen bleiben und ihm alleine „zu Gutte“ geschrieben werden können.