Avaritia - Habgier

Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 4612
Format: 700 x 500 mm
Juni 2010

Im Oliver Stone Film von 1985, „Wallstreet“, lamentiert der Börsenspekulant und Protagonist des Filmes, Gordan Gecko in einer Aktionärsversammlung: „Die Gier ist gut […] die Gier ist Motor allen Handelns […]“. Die am Ende des Films sich ihm stellende Frage – hinter wie vielen Yachten er noch gedenkt Wasserski fahren zu wollen und wann eigentlich das Maß der Dinge erreicht ist, sollte eigentlich schon hier beantwortet sein – es geht nur um die Sucht nach immer Mehr, also lediglich nur um das „Prinzip des Prinzips Willen“, egal nun, wie dieses letztendlich gesichert wird und um nichts Anderes.

Der im Mittelalter als „Wucherer“ bezeichnete Geldverleiher und Vorläufer des modernen Bankers, galt in dem damaligen katholischen Glaubensverständnis als verachtenswerter Sünder. Der Grund für diese generelle Ächtung damals klingt auch in „Wallstreet“ nochmals nach: Der Wucherer, Geldverleiher oder Spekulant erschafft keine wirklich gesellschaftlich relevanten Werte. Er stellt Kapital und partizipiert im Grunde nur von den erarbeiteten Ideen und Werten Anderer. Das Geld wird durch ihn nicht neu erschaffen, es wird nur zu seinem Vorteil neu verteilt.

Spätestens 1887 verabschiedete sich der Vatikan, zumindest intern, ganz offensichtlich von der Ansicht, der Geldverleih sei gleich zu setzen mit dem Laster „Avaritia“ und gründete, unter Pabst Leo XIII., die „Kommission für wohltätige Zwecke“. Die dort „gesammelten“ Gelder wurden geschickt in Aktien und Anlagen gewinnbringend investiert, ohne dabei offiziell als Bank in Erscheinung treten zu müssen.

Erst unter Pius II., 1942, wurde diese ehemalige „Kommission“ offiziell als Bank des Vatikans installiert (Institut für die Werke der Religion) und geriet in den 1980er Jahren sogar in den Verruf, Kontakte zur italienischen Unterwelt zu pflegen.