Lilith… Diese kleine Webseite widmet sich ausschließlich meinem gezeichnetem Bilderzyklus: den 7 Todsünden, welcher bis heute noch nicht gänzlich vollendet ist.

Eine erste Berührung mit diesem Thema hatte ich bereits im Januar 2008, durch jene zwei 70x50cm großen Federzeichnungen Habsucht I. und Habsucht II. , zum Thema Averitia. Erst gut 10 Monate später wagte ich mich erneut an dieses Thema – konnte zwei weitere Arbeiten zu diesem Thema fertig stellen.

Nur sehr langsam reifte in mir die Idee zu diesem Zyklus, der dann 2009 endlich, zumindest gedanklich bei mir an Inhalt und Umfang gewonnen hatte. Denn es war klar, die sieben Todsünden, oder Wurzelsünden – ergäben nur sieben Zeichnungen und dies würde wohl kaum einen Bilderzyklus ausmachen können.

Über Monate hinweg habe ich eigentlich nur recherchiert und gesammelt (natürlich auch anderes, weiteres GEKRITZELT), vor allem in Bezug auf die möglichen Interpretierbarkeiten der ursprünglichen sieben lateinischen Begriffe der 7 Todsünden: Superbia, Avaritia, Luxuria, Ira, Gula, Invidia und Acedia.

SukkubusDabei ergab sich erstaunliches: Ein Meer von – „sowohl als auch“.
Denn über die Jahrhunderte hinweg, beginnend mit dem Mönch Euagrios Pontikos im 4. Jahrhundert, als jener diesen ersten Sündenkatalog für seine Glaubensgenossen erschuf, wurden diese Begriffe, ganz sicher auch immer wieder unter wideren Umständen, wenn auch heute fast sinngleich scheinend, neu übersetzt, aufgeschrieben und fast im Sinne des Kinderspiels „Der stillen Post“ weitergegeben und weiter verbreitet.

Diese Verwirrungen oder meinetwegen auch Übersetzung Irrungen, bedingt durch die sprachlichen Torturen der Jahrhunderte (wer konnte schon Latein, geschweige denn schreiben und lesen überhaupt), verbunden mit den lokalen Eigenheiten, ergibt einen recht interessanten Katalog an hochdeutschen Formulierungen zu den jeweiligen lateinischen Begriffen, welcher Basis dieses Zyklus an Zeichnungen ist. Und ich selber bin mittlerweile auch gewillt, ihn als solchen zu akzeptieren.

Ich will nur ein Beispiel hierzu nennen: Luxuria – heute allgemein als Wollust interpretiert. Gräbt man allerdings weiter  kommt dann zwangläufig auch z.B. auf Unkeuschheit – ein Begriff, welcher deutlich früher im Kontext zu Luxuria gestanden haben muss. Wann dieser dann, vielleicht durch umgangssprachliche Veränderungen bedingt, durch den Begriff Wollust verdrängt wurde kann sicher nur von Sprachwissenschaftlern beantwortet werden. Wenn man nun aber die beiden hochdeutschen Übersetzungen, Unkeuschheit und Wollust, getrennt voneinander interpretiert so kommt man zu dem Schluss, dass sie zwar inhaltlich in Verbindung stehen aber dennoch eigentlich nicht Übersetzung für ein und dasselbe sein können. Denn – sicher ist ein wollüstiger Mensch Unkeusch. Aber ein unkeuscher Mensch muss nicht zwangsläufig wollüstig sein.

Abweichungen dieser Art findet man bei allen sieben lateinischen Übersetzungen.

Es ist ein Tanz der Begrifflichkeiten und das was man damit jeweils natürlicherweise verbindet (ich zumindest), Und das ist das was äußerst spannend ist und Grundwesen und Sinn dieses Zyklusses ausmacht. Die zeichnerische Interpretation, durch die Eigenheiten der Allegorie, macht sich in allem breit und ist Grundkonsens.